Wie wickelt Österreich?
Mama oder Papa: Wer wickelt in Österreich?
Erstmals wurde vom Forum Babyhygiene Anfang 2007 eine Studie zum Thema Babyhygiene initiiert. Ziel der Studie, die von Fessel GfK durchgeführt wurde, war es, den aktuellen Status Quo rund um Babyhygiene und -gesundheit in Österreich zu ermitteln. Befragt wurden 228 Mütter und Väter, die insgesamt 419 Kinder haben. Die Studie wurde mittels CAWI-Interviews (Computer Assisted Web Interviews) durchgeführt, dabei werden die Teilnehmer offline rekrutiert und beantworten dann Fragen in einem Internet-basierten Fragebogen.
Basierend auf den interessanten Ergebnissen der repräsentativen Umfrage setzt das Forum Babyhygiene nun seine Informations- und Diskussionsarbeit fort.
Österreichs Wickelkinder
Geht man davon aus, dass Kinder mit etwa 2,5 bis 3 Jahren sauber werden, so lässt sich errechnen, dass es in Österreich derzeit etwa 200.000 Wickelkinder gibt. Und obwohl die Geburtenrate leicht, aber doch merklich zurückgeht - 2005 gab es mit 78.190 Geburten um 778* weniger als im Jahr davor - wollen diese 200.000 Kinder gewickelt werden.
Wer wickelt Österreichs Kinder?
Geteilte Freude ist doppelte Freude, sollte man meinen. Dies gilt aber wohl nicht so ganz, wenn es ums Wickeln geht, denn dieses scheint in Österreich nach wie vor eine weibliche Domäne zu sein.
Laut Studie sind es noch immer die Mütter, die sich primär um Babys Popo kümmern. Denn auf die Frage, wer das Kind hauptsächlich wickelt, gaben 68% der Befragten an, dass nach wie vor vorrangig die Mütter wickeln. Lediglich 1% der befragten Mütter und Väter meinten, dass der Vater die Nummer 1 beim Wickeln ist. Immerhin bei 30% der Jungeltern ist die geteilte Freude auch doppelte Freude und Mama und Papa greifen gleich oft zur Windel.
Interessantes Detail: Je älter die Wickelkinder, umso besser funktioniert die Arbeitsteilung. Bei Kindern unter einem Jahr wickeln noch 82% der Mütter, zwischen einem und zwei Jahren wickeln "nur" noch 75% der Mütter hauptsächlich und bei Kindern, die älter als zwei Jahre alt sind, ist die Aufteilung bereits fast ausgewogen - 54% der Kinder werden primär von der Mutter gewickelt, 45% von beiden Elternteilen und 1% von den Vätern. Hier scheint sich das Sprichwort "Übung macht den Meister" zu bewahrheiten.
West-Ost-Gefälle
Weniger Übung im Wickeln haben Westösterreichs Väter. Babys Popo gehört hier offensichtlich noch immer primär in die Hände der Mütter. In Wien, Niederösterreich und im Burgenland sehen ein Drittel der wickelnden Eltern die Aufgabe als eine gemeinsame, in Salzburg, Tirol und Vorarlberg sind es nur noch 27%, die sich das Wickeln gerecht aufteilen.
Mama oder Papa?
Allerdings dürfte Wickeln auch eine Frage der Sichtweise sein, denn die Angaben der Mütter stimmen nicht immer mit denen der Väter überein. 78% der befragten Mütter gaben an, dass sie diejenigen sind, die sich ums Wickeln kümmern und 22% meinten, dass sie gleich oft wickeln wie ihre Partner.
Aus der Perspektive der Väter sind 57% der Mütter die Nummer 1 beim Wickeln, 41% der Väter glauben, dass die Aufgabe gerecht aufgeteilt ist zwischen den beiden Elternteilen.
Und: Laut der Studie des Forums Babyhygiene gibt es nach wie vor Väter, die gar nicht wickeln. Dafür dürften die Omas und Opas eine wichtige Stütze sein, wenn es ums Wickeln geht, denn 61% der Befragten gaben an, dass "andere Familienmitglieder" ebenfalls zur Windel greifen und sich um Babys Popo kümmern.
Eingeschränkte Möglichkeiten
Laut der Studie von Forum Babyhygiene wickeln die Väter auch deshalb seltener, weil ihnen häufig die Möglichkeiten dazu fehlen. 37% der befragten Eltern gaben an, dass es für Väter wenige öffentliche Möglichkeiten zum Wickeln gibt - Wickelstationen befinden sich ja meistens in den Damen Toiletten, zu denen die Väter keinen Zutritt haben. Auch sind nur 18% der befragten Eltern der Ansicht, man könne heutzutage überall wickeln. Die befragten Väter sehen das sogar noch enger - nur 14% finden, dass sie wirklich immer und überall wickeln könnten. Allerdings fühlen sich nur 7% der Studienteilnehmer ernsthaft eingeschränkt, weil es wenige öffentliche Möglichkeiten zum Wickeln gibt. Immerhin: Ganz auf Ausflüge verzichten nur 1% der befragten Eltern aufgrund des Aufwandes.
Hautgesundheit
Babys wunder Popo ist in Österreich eine Seltenheit. Die Studie des Forums Babyhygiene stellte fest, dass drei Viertel der befragten Eltern zwar schon mit dem Problem konfrontiert waren, allerdings hatten lediglich 7% mehrmals mit Wundausschlag zu tun. Für 93% der Befragten ist ein wunder Babypopo selten bis nie ein Thema.
In den seltenen Fällen, in denen es zu Rötungen kommt, machen 69% der Eltern Verdauungsprobleme und zu lange Wickelintervalle dafür verantwortlich, 56% führen gerötete Babypopos auf die Ernährung (z.B. Obst) zurück. Weitere 46% sind der Meinung, dass der Ausschlag stressbedingt, beispielsweise durch das Zahnen auftritt und 38% sehen das Windelmaterial als möglichen Faktor. 36% der befragten Eltern führen Rötungen auf verwendete Pflegeprodukte zurück.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer von der Kinder- & Jugendabteilung im Landesklinikum St. Pölten bestätigt, dass Wundausschläge in den letzten Jahren deutlich seltener geworden sind - insgesamt hat sich der Hautstatus bei Säuglingen und Kleinkindern verbessert. Bei Verwendung von Einmalwindeln sind Hautirritationen im Windelbereich nur noch sehr selten zu finden.
Was tun Österreichs Eltern, wenn Babys Popo rot ist?
Bei Windelausschlag beziehungsweise als Vorbeugung wickeln 59% der Befragten ihre Babys öfter. 54% lassen Babys Popo öfter nackt, wenn er gerötet ist und 61% wenden diese Maßnahme an, um Windelausschlag vorzubeugen. Hautschutzcremen wenden 44% an, Heilsalben aus der Apotheke 42%, wenn Ausschlag auftritt. 42% der Eltern cremen prophylaktisch mit Hautschutzcreme und 72% wenden vorbeugend Heilsalben aus der Apotheke an.
Um Wundausschlag zu verhindern, tupfen 26% der Eltern Babys Popo vor dem Wickeln trocken, ein Viertel sieht dies als geeignete Maßnahmen, wenn der Ausschlag bereits vorhanden ist. Nur noch Stoffwindeln an Babys Popo zu lassen, findet nur 1% der Befragten bei Ausschlag sinnvoll.