Das erste Jahr Allergieprävention im Säuglingsalter im Umbruch

Wissenschaft ist immer im Fluss! So ergibt es sich immer wieder, dass bislang fundiertes Wissen durch neue Studien in Frage gestellt wird. Momentan ist dies gerade bei der Allergieprävention im 1. Lebensjahr der Fall.

Galt es bislang, alle 5-7 Tage ein neues Lebensmittel in den Speiseplan aufzunehmen, so soll nun nach neuen Erkenntnissen, nun alle 4 Tage eine neue Zutat eingeführt werden. Die stufenweise Bekanntmachung neuer Nahrungsmittel dient der besseren Erkennbarkeit und Nachverfolgbarkeit von Allergieauslösern. Durch den Abstand von 4 Tagen lassen sich verzögert auftretende Allergien gerade noch feststellen, gleichzeitig ist eine größere Vielfalt an Nahrungsmitteln im Speiseplan gewährleistet. Sie soll neueren Studien nach für bessere Toleranz und durch die Vielfalt an Geschmack dazu führen, dass Kinder im Kleinkindalter keine allzu einseitige Speisenauswahl treffen.

Stillen gilt nach wie vor als bester Allergieschutz. Doch stellen neue Studien die Dauer der Vollstillzeit bezüglich Allergieprävention in Frage. Die Lage darf jedoch nicht einseitig betrachtet werden, denn eine lange Stillzeit verhindert auch Erkrankungen. So sind bei Gabe von Flaschennahrung häufiger Mittelohrentzündungen und Spitalsaufenthalte zu verzeichnen.

Noch immer gilt daher die optimale Stilldauer der WHO (6 Monate Vollstillen und im Anschluss möglichst bis über das 2 Lebensjahr hinaus Teilstillen), zu der auch Stillkommissionen und Ernährungskommissionen raten. Gleichzeitig empfehlen viele Kinderärzte mittlerweile wieder einen Beikostbeginn im 5. statt im 7. Monat, ohne die individuellen Reifezeichen der Kinder zu beachten (z.B. sehr großes Interesse am Essen der Eltern). Dadurch kommt es vielfach zu verfrühter Beikostgabe, zu Abwehrreaktionen des Kindes, zur Belastung der Mutter-Kind-Interaktion und evtl. gar zu Essstörungen.

Wenn Ihr Kind den Kopf wegdreht, den Mund verschließt oder alles immer wieder ausspuckt, zeigt es, dass es diese Form des Essens oder diesen Geschmack (noch) nicht mag. Hören Sie auf die Signale Ihres Kindes!

Näheres über Beikostreifezeichen und Allergieprävention siehe im neuen Buch „Essen und Trinken im Säuglingsalter“ (6. Auflage, planmäßiger Erscheinungstermin Ende Februar 2010: www.kinderkost.com).

Mag. Ingeborg Hanreich, IBCLC