Das erste Jahr Daumenlutschen – notwendig oder schädlich?

Daumenlutschen ist eine natürliche, an den Saugreflex geknüpfte selbst beruhigende bzw. selbst stimulierende Tätigkeit, die schon im Mutterleib genüsslich gepflegt wird. Daumenlutschen wird in den ersten 2 Lebensjahren von etwa 2/3 der Kinder regelmäßig gepflegt und ab dem 2.-3. Lebensjahr von selbst aufgegeben. im 3.-6. Lebensjahr lutscht noch etwa ¼ der Kinder am Daumen, danach sind es weniger als 10%. Ein Übergang zu Nägelbeißen ist möglich.

Daumenlutschen ist an sich nicht schädlich, kann aber zu Zahnfehlstellungen (Vorbiss, offener Biss), Parodontose oder Nagelbetteiterungen führen, die sich nach Aufgabe des Daumenlutschens meist spontan zurückbilden.

Daumenlutschen wird bei gestillten Kindern rascher aufgegeben. Die sicherste Methode, das Daumenlutschen zu verstärken, ist, es zu „brandmarken“. Kritik, Drohungen, Strafen, Anbinden der Hände, Lächerlichmachen, Einschmieren der Finger mit bitteren Substanzen (Ochsengalle, bitter schmeckender Nagellack) helfen jedenfalls nicht. Der sicherste Weg, das Daumenlutschen zu beenden, ist es möglichst nicht zu beachten. Aufklärung, Stress reduzierende Maßnahmen und gelegentliches Hinweisen auf die „überflüssige“ Gewohnheit können hilfreich sein. In extremen Fällen hilft Verhaltenstherapie.