Das erste Jahr Probleme mit den Hoden

Sind beide Hoden vorhanden?
Bei etwa 3% der Buben sind bei der Geburt einer oder beide Hoden (noch) nicht im Hodensack (Hodenhochstand). Verantwortlich dafür können Reifungs-, hormonelle, seltene genetische oder Stoffwechselprobleme sein. Da während des ersten Lebensjahres die meisten Hoden von selbst in den Hodensack wandern (spontaner Deszensus testis), kann man zunächst noch zuwarten. Spätestens mit Beginn des 2. Lebenshalbjahres sollte aber etwas unternommen werden, da bei nicht deszendierten Hoden degenerative Veränderungen mit der Folge einer Störung der Bildung von Spermienzellen schon im 2. Lebenshalbjahr festgestellt werden können und das Risiko der Entwicklung eines Hodentumors mit der Dauer der Retention ansteigt (2-8%).

Wie kommen die Hoden in den Hodensack?
Im ersten Schwangerschaftsmonat verwandeln sich die zunächst undifferenzierten Gonaden in männliche. Diese verbleiben etwa bis zur 10.-15. SSW im Bauchraum, dann "wandern" sie unter dem Einfluss verschiedener Hormone, u.a. Testosteron, über den Leistenkanal in den Hodensack, wo sie sich bei den meisten Buben ab der 28.-35. SSW befinden.

Was ist ein Pendelhoden?
Bei manchen Buben sind die Hoden nur scheinbar nicht im Skrotum (= Hodensack), weil der Kremasterreflex* die Hoden bei Kälte und Berührung in den oberen Hodensackteil verlagert. Die Hoden wandern in warmer und entspannter Umgebung wieder in den Hodensack. Das ist ganz normal.

Was ist ein Gleithoden?
Im Unterschied dazu liegen Gleithoden im oder vor dem Leistenkanal, können zwar in den Hodensack heruntergezogen werden, schnellen aber beim Loslassen sofort wieder in die ursprüngliche Position zurück, weil die Hoden nicht vollständig deszendiert sind.

Was kann man bei Hodenhochstand tun?
Nach einer kinderärztlichen Abklärung (Tastbefund, Ultraschall usw.) ist beim Gleithoden ab dem 4.-6. Lebensmonat Hormontherapie, mit GnRH-Nasenspray** sinnvoll. Bei Erfolglosigkeit sollten 5 HCG*** Injektionen in wöchentlichen Abständen angeschlossen werden. Dies führt in 20-40% zum Erfolg. Bei Ausbleiben des Erfolgs der Hormontherapie bzw. bei nicht tastbarem Hoden (Kryptorchismus) ist eine operative Verlagerung der Hoden in den Hodensack notwendig.


*Kremasterreflex - der Kremastermuskel zieht den Hoden bei Kälte in den schützenden oberen Anteil des Hodensacks

**GnRH - Gonadotropin Releasing Hormon, das Hormon, das die zentrale Steuerung der Keimdrüsenhormone beeinflusst. Nasenspray, in Österreich z.B. Kryptocur®

*** HCG - humanes Choriongonadotropin, Keimdrüsen stimulierendes Hormon, gewonnen aus dem Mutterkuchen