Das erste Jahr Warum auch Männer zuhause bei den Kindern bleiben sollten – ein Plädoyer für die Väterkarenz

Nach wie vor ist der Anteil an Vätern in Karenz in Österreich sehr gering. Jene Väter, die ihren Anspruch wahrnehmen berichten durchwegs von sehr positiven Erfahrungen. Häufig gibt es jedoch bis dahin zahlreiche Hindernisse, die es zu reflektieren, zu überwinden gilt. Da ist einerseits die Einkommenssituation der Familie, nach wie vor verdienen Männer in der Regel mehr als Frauen, andererseits ermöglichen, trotz gesetzlichem Anspruch, viele Firmen ihren Arbeitnehmern keine Karenzzeit.

Und das, wo es viele überzeugende Argumente gibt, warum es eine Bereicherung aller Beteiligten ist, wenn Väter über eine gewisse Zeit hinweg als Hauptbezugspersonen für ihre Kleinen zur Verfügung stehen.

Die Beziehung zwischen Vätern und Kindern wird nachhaltig geprägt, wenn ein gemeinsamer Alltag gelebt wird. Kinder machen mit ihren Vätern eine andere Art von Beziehung und andere Lebenserfahrungen als mit ihren Müttern.

Die Übernahme von Verantwortung stellt auch eine Chance dar, das Gleichgewicht in der Paarbeziehung herzustellen. Die Erfahrung, dass Männer ihre Sache gut machen, liebevoll und engagiert mit ihren kleinen Kindern umgehen, kann das Vertrauen ihrer Partnerinnen nachhaltig stärken und auch Mut machen, über die Karenzzeit hinaus eine gerechte Rollenverteilung anzustreben.

Männer bekommen die Möglichkeit, in eine frauendominierte Welt Einblick zu bekommen, mit zu gestalten und Einfluss zu nehmen. Diese Erfahrungen könnten auf längere Sicht sehr positiv in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik einfließen.

Väter in Karenz haben ein gutes Training im Entwickeln sogenannter „soft skills“, die sie später nicht nur in der Familie, sondern auch in ihrem beruflichen Umfeld einbringen können. Als Mitglieder oder Leiter von Teams werden sie mehr Einfühlungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Loyalität und Menschlichkeit zeigen.

Eine Unterbrechung der Berufstätigkeit kann Männern die Chance geben, eine berufliche Neuorientierung zu reflektieren und wirkt mit großer Wahrscheinlichkeit auch einem drohendem „Burn out“ entgegen.

Für Söhne und Töchter ist die Erfahrung der Väterkarenz gewiss ein bedeutsames Rollenvorbild, das die nächste Elterngeneration maßgeblich beeinflussen wird.

Dr. Irmtraud Ramstorfer ist klinische Psychologin und Psychotherapeutin in Baden.