Das erste Jahr Hilfe, mein Kind ist allergisch!

Unter Allergie versteht man eine „ungewöhnliche“ Antwort des körpereigenen Immunsystems (Abwehrsystems) auf bestimmte äußere Reize bzw. körperfremde Stoffe.

Allergien können sich als LexikonNeurodermitis, LexikonKuhmilcheiweißallergie, Heuschnupfen oder LexikonBronchialasthma äußern.

Schon in der Fetalzeit „lernt“ das Immunsystem, körpereigene Strukturen und Stoffe zu tolerieren und körperfremde Strukturen und Stoffe zu erkennen und unschädlich zu machen. Das ist z.B. ganz wichtig bei der Infektabwehr (Entdecken und Vernichten von Bakterien, Viren usw.). Dabei kommen verschiedene, mehr oder weniger spezifische Abwehrsysteme zum Einsatz. Man kann sich das so vorstellen wie eine vielfältige körpereigene Polizei, die bedrohliche Elemente identifiziert und unschädlich macht. Die „Polizisten“ sind immunkompetente Zellen (Makrophagen, Lymphozyten, Plasmazellen u.a.), die im Rahmen eines komplexen Systems entweder direkt oder über dem Blut transportierte Antikörper (IgA, IgE, IgG, IgM) fremde Stoffe im Körper erkennen und über Vermittlung von „Kampfzellen“ (Makrophagen, Lymphozyten, Granulozyten, Mastzellen) unschädlich machen. Dabei entstehen ähnlich wie bei der Feindbekämpfung im Krieg auch Kollateralschäden, die umso größer sind, je unspezifischer und je massiver die Abwehrmaßnahmen des Körpers sind. Ideal ist natürlich die „spezifische“ Feindbekämpfung, von der der Rest des Körpers gar nichts merkt. Im schlimmsten Fall ist der ganze Körper mit einer massiven Abwehrreaktion beschäftigt, die z.B. bei einer generalisierten Infektion („Blutvergiftung“, Sepsis) sogar lebensbedrohlich werden kann.

Bei der allergischen Reaktion, die nur bei etwa 30-40% der Menschen, zum Großteil erblich bedingt, auftritt, sind ganz bestimmte Abwehrmechanismen beteiligt. Dies sind vor allem an Mastzellen gebundene IgE Antikörper, die bei Reaktion mit speziellen Fremdstoffen, z.B. Blütenpollen, Teilen der Hausstaubmilbe oder bestimmter Tierhaare, Blutgefäße erweiternde bzw. die Atemmuskulatur stimulierende Substanzen (z.B. Histamin) freisetzen. Damit bewirken sie Bindehaut- oder Gewebsschwellungen (Ödeme), Tränenfluss, Schnupfen oder Atemnot (Asthma). Es gibt auch andere, kompliziertere Arten von Allergien wie Neurodermitis (allergisches Ekzem), Kuhmilchunverträglichkeit oder Zöliakie (Getreideeiweißallergie), bei denen noch zusätzliche, zum Teil nicht genau bekannte Faktoren eine Rolle spielen.

Was kann man gegen Allergien tun?

Es gibt vorbeugende, behandelnde und sinnlose Maßnahmen.

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist Stillen, mindestens für 6 Monate. Ersatzweise kann auch Füttern einer hypoallergenen Milchernährung in den ersten 6 Monaten eine Allergieneigung verringern.

Die zweitwichtigste Maßnahme ist das Vermeiden häufiger Allergene:

Wenn die Eltern Allergien haben, sollten keine Fell tragenden Tiere als Haustiere angeschafft werden, weil diese das Entstehen von Allergien fördern können. Auch auf Bettfedern, Spannteppiche usw. sollte bei Allergieneigung zumindest im Kinderzimmer bzw. Schlafzimmer verzichtet und dafür Holzböden und Kunststoffbettzeug verwendet werden.

Die wichtigsten behandelnden Maßnahmen sind

  • Allergenkarenz (Vermeiden bekannter Allergene), wenn möglich. Nützt nur vorübergehend bei Nahrungsmittelallergien, weil es eine hohe Selbstheilungsrate gibt. Bei Allergenen, die man nicht vermeiden kann, wie Gräser- oder Baumpollen, ist ab dem 3.-4. Lebensjahr
  • (orale) Hyposensibilisierung (Zuführen des Allergens in steigender Konzentration unter ärztlicher Aufsicht) eine Therapiemöglichkeit.
  • Medikamente
    • Antihistaminika (z.B. Fenistil, Polaramin) lokal oder oral, sie helfen vor allem, einen bestehenden Juckreiz zu stillen
    • Cortison lokal, oral oder parenteral (über Spritzen) unterdrücken die Freisetzung verschiedener Entzündungsmediatoren
    • Kreislauf stabilisierende bzw. Blutgefäße kontrahierende Medikamente (z.B. Adrenalin)
    • andere (z.B. ß-Sympathomimetika, erweitern verengte Bronchien, Leukotrienantagonisten, verhindern die Freisetzung von Bronchien verengenden Substanzen)
  • Haut pflegende Cremes ev. mit Entzündungs hemmenden Zusätzen

Sinnlos sind langfristige Nahrungsmittelrestriktionen bei Neurodermitis (z.B. keine Schokolade usw.)