Ab dem zweiten Jahr Bettnässen – eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter

Tipps für Behandlungs- und Therapieformen

Wenn Kinder nachts ins Bett machen, sind die meisten Eltern beunruhigt. Dabei ist Entwarnung angesagt: Fast 10% der Kinder im Alter von 4 bis 15 Jahren in Westeuropa sind nachts nicht zuverlässig trocken. Von Enuresis spricht man, wenn das Kind älter als 5 Jahre ist und über einen Zeitraum von 3 Monaten mindestens 2 Mal im Monat nachts einnässt. Im Alter von 6 Jahren nässt noch jedes 10. Kind circa 2 Mal pro Woche nachts ein. Auch Jugendliche sind davon betroffen, die Zahl ist jedoch geringer. Fast 1% der 18-jährigen Burschen sind Bettnässer. Alleine in Österreich wird die Zahl der betroffenen Kinder auf 60.000 geschätzt.

Beruhigend für betroffene Kinder und Familien: In absehbarer Zeit geht das Bettnässen bei vielen Kindern von alleine vorbei, therapeutische Maßnahmen beschleunigen den Prozess.

Welche Maßnahmen können Sie als Eltern setzen:

  • Nässt ihr Kind nach dem 5. Lebensjahr immer noch oder wieder nachts ein, suchen Sie einen Kinderarzt auf. Dieser untersucht, ob eine Grundkrankheit wie Harnwegsinfektionen, Zuckerkrankheit o.ä. verantwortlich ist für die Symptome.
  • Führen Sie anschließend einen „Enuresiskalender“, in den sie die trockenen und nassen Nächte einzeichnen. Für die trockenen Nächte malen Sie eine Sonne in den Kalender, für die nasse eine Wolke. Stellen Sie dem Kind Belohnungen etwa für 10 Sonnen in Aussicht und loben Sie es für trockene Nächte. Beschimpfungen oder Bestrafungen erhöhen den Druck auf das Kind.
  • Das Kind möglichst oft an das Harnentleeren erinnern und vor dem Schlafengehen keine Flüssigkeit mehr zu sich nehmen. Den Druck von Eltern und Kind nimmt auch saugfähige Unterwäsche für die Nacht, besonders wenn das Kind bei Freunden übernachtet.
  • Versprechen diese einfachen Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, das Kind nässt weiterhin nachts ein und der Leidensdruck für Eltern und Kinder ist hoch, sollte mit dem Kinderarzt mögliche Therapieformen besprochen werden. Dabei ist zu bedenken, dass das ein Eingriff in den Hormonhaushalt ist und medikamentöse Therapien immer auch Nebenwirkungen mit sich bringen können.
  • Eine Möglichkeit bietet die medikamentöse Therapie mit dDAVP, dem Hormon, das die Harnmenge reduziert, indem in der Niere vermehrt Wasser aufgenommen wird. Dieses Hormon wird normalerweise vermehrt in der Nacht ausgeschüttet.
  • Bei der apparativen Verhaltenstherapie (Klingelmatte/Klingelhose) zieht das Kind nachts eine Unterhose mit einem eingenähten Sensor an oder der Sensor wird unter das Leintuch gelegt. Sobald der erste Tropfen Harn austritt, gibt der Sensor Alarm, das Kind wacht auf und kann auf die Toilette gehen. Ein Nachteil dieser Therapie ist, dass das Kind mitten aus seinem für die Entwicklung wichtigen Tiefschlaf gerissen wird.

Univ.Doz.Dr. Hans Salzer, Facharzt für Kinderheilkunde