Ab dem zweiten Jahr Nägelbeißen (-kauen) und wie man es los wird

Nägelbeißen, das Abknabbern von Nägeln zur Reduktion von Stress, Angst, Langeweile, ist eine häufige „schlechte Gewohnheit“. Üblicherweise beginnen Drei-bis Vierjährige damit, eventuell im direkten Übergang vom Daumen- oder Fingerlutschen. Die Gewohnheit nimmt dann im 4.-6. Lebensjahr zu und kann bei einem Drittel der Kinder beobachtet werden. In der Pubertät nimmt Nägelbeißen bis auf etwa 45% zu danach wieder ab, etwa 10% der Erwachsenen sind „chronische Nägelkauer“.

Meist ist Nägelbeißen harmlos und bedarf gar keiner Behandlung, weil es meist von selbst aufgegeben wird. Sinnlos sind Strafen, Lächerlichmachen, Nörgeln, Drohen, Anwenden von Bitterstoffen wie Ochsengalle oder spezielle Nagellacke.

Bei „schwereren Fällen“ mit Nagelbetteiterungen, Zahnfehlstellungen und Parodontose ist Verhaltenstherapie angezeigt. Diese wird aber nur mit veränderungsmotivierten Kindern möglich sein. Je nach Schweregrad sind Psychoedukation (Erkennen und Erklären der Zusammenhänge), Achtsamkeit (Erkennen der Gelegenheiten, Auslöser und des Beginns der Handlung), Stressabbau und –bewältigungsstrategien und Verhaltensalternativen (sorgfältige Maniküre, Kaugummikauen, Kneten von Stressbällen o.ä. Tragen von Zahnschutz usw.) erfolgreich.

Univ. Prof. Dr. Christian Popow ist Facharzt für Kinder- u. Jugendheilkunde und für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie, Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision (kognitive Verhaltenstherapie) derzeit tätig an der Univ. Klinik für Psychiatrie des Kindes- u. Jugendalters und an der Interdisziplinären Tagesklinik der Univ. Klinik f. Kinder- u. Jugendheilkunde Wien

Spezialgebiete: Sozialpädiatrie, Kinder- u. Jugendpsychiatrie, Entwicklungspsychologie, Neonatologie, angewandte Computerwissenschaften
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