Ab dem zweiten Jahr Scheidung – Wie der neue Lebensabschnitt mit Kindern gelingen kann…

Nach der Trennung bzw. Scheidung der Eltern beginnt für die Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Haben sie bis dahin den Alltag mehr oder weniger mit Mutter und Vater geteilt, verbringen sie nun die Zeit entweder mit dem einen oder dem anderen. Manche Eltern versuchen den Kindern zumindest hin und wieder eine familienähnliche Situation zu bieten, in dem sie gemeinsame Freizeit nützen oder Feste feiern, dies setzt allerdings voraus, dass der Trennungskonflikt bewältigt ist und sich alle Beteiligten in der Situation wohl fühlen. Manche Kinder schöpfen daraus latent Hoffnung, die Eltern würden wieder zueinanderfinden und die Verarbeitung der Trennung wird dadurch verhindert. Deshalb sollten Eltern klar zum Ausdruck bringen, dass sie gerne mit den Kindern Zeit gemeinsam verbringen, aber als Mann und Frau entscheiden haben, getrennte Wege zu gehen und (wie dies häufig der Fall ist) einen anderen Menschen als neuen Partner gewählt haben.

Ein Großteil der Kinder lebt nach der Scheidung überwiegend bei einem Elternteil und hat mehr oder weniger regelmäßig Kontakt zum anderen. Das Gesetz sieht Mindeststandards vor, jedes Elternpaar kann aber natürlich für sich festlegen, was das Beste für sein Kind ist. Dies hängt auch vom Alter der Kinder ab. In der Zeit vor Schuleintritt sind oft flexiblere Besuchsrechtsregelungen möglich, im Jugendlichenalter wiederum werden von den Jugendlichen selbst flexiblere Vereinbarungen bevorzugt, da ja der Kontakt zur Gleichaltrigengruppe stark in den Vordergrund tritt. Für sehr viele Kinder und deren Eltern ist eine fixe Besuchsrechtsvereinbarung am günstigsten. Einerseits können so alle Beteiligten ihr Leben neu ordnen, andererseits verringert sich das Konfliktpotential. Einige Kinder leben zu jeweils der Hälfte bei den beiden Elternteilen. Dies setzt ein hohes Ausmaß an gegenseitiger Toleranz voraus und auch nicht allzu große Differenzen in der Erziehungshaltung der Eltern. Manche Kinder schätzen diese Variante, andere belastet der Umstand „jede Woche umzuziehen“ sehr.

Der Übergang in der Besuchssituation ist für Kinder immer schwierig, dies macht sich bemerkbar, indem sie gereizt, müde oder weinerlich sind und sich zurückziehen. Dies hat in der Regel nichts damit zu tun, dass sich die Kinder beim Besuch nicht wohlgefühlt haben, sondern dass sie gezwungen sind, zwischen zwei Systemen zu wechseln. Bisweilen berichten sie dann, dass es bei Mutter/ Vater gar nicht schön gewesen sei oder beklagen sich über verschiedenes (kein tolles Programm, schlechtes Essen, Mama/Papa hätten geschimpft, und ähnliches). Damit bringen sie einerseits ihr Unwohlbehagen, andererseits auch die Loyalität mit dem jeweiligen Elternteil zum Ausdruck und so sollte dies verstanden werden, denn auch nach einer Scheidung gilt in der Regel die Sorge und Liebe beider Elternteile ihren Kindern!

Dr. Irmtraud Ramstorfer ist klinische Psychologin und Psychotherapeutin in Baden.