Ab dem zweiten Jahr Umgang mit Streit in der Familie

Streiten muss gelernt werden! Faires Streiten ist wichtig, weil zwischenmenschliche Konflikte und Spannungen in jeder Beziehung und in jeder Familie unvermeidbar sind, weil immer unterschiedliche Interessen und Sichtweisen „unter einen Hut gebracht“ werden müssen, und übertriebene Rücksichtnahme, vorauseilendes Entgegenkommen und ständiges Verzichten auf den eigenen Standpunkt und eigene Bedürfnisse zu chronischer Frustration und schlimmeren Konflikten führt.

Wie streitet man richtig?

  1. Ich Botschaften (z.B. „mir geht es nicht gut, wenn...“) fördern eine Schutzhaltung beim Angesprochenen und werden daher leichter akzeptiert als Vorwürfe, die „reflektorisch“ Abwehr provozieren.
  2. Konflikte offen austragen, klare Botschaften formulieren (ich brauche..., ich will...), den anderen zu Wort kommen lassen, keine unpassenden, unfairen Argumente („ich habe Dich aus der Gosse geholt“).
  3. Argumente ernst nehmen, keine Schuldzuweisungen, im „Hier und Jetzt“ bleiben, keine „historischen“ Argumente („immer das Selbe“, schon Deine Mutter…“, „vor fünf Jahren…“).
  4. Emotionen zulassen, weil Echtheit das Ernstnehmen erleichtert und Emotionen auch der Energieabfuhr dienen.
  5. Kinder aus dem Streit der Erwachsenen heraushalten, nicht „hinter dem Rücken“ schimpfen, Kinder sind keine „Verbündeten“ und keine „Schiedsrichter“, weil sie in belastende Loyalitätskonflikte geraten.
  6. Rechtzeitiges „Aussteigen“ – wenn ein Konflikt die eigene Belastungsfähigkeit überfordert (drohender Impulsdurchbruch) oder sich die Argumente „im Kreis drehen“ eine Streitpause erwirken.
  7. Drohungen und Gewalt lösen keine Probleme, sie machen alles nur schlimmer.
  8. Lösungen formulieren oder auch den Konflikt stehen lassen. Schon das Akzeptieren von Problemen („was man nicht ändern kann, muss man akzeptieren“) bzw. das Zugeben von Fehlern entlastet dramatisch. Nachgeben ist kein Schuldeingeständnis.
  9. Versöhnen – wunderbar, wenn nicht möglich, sich für Fehlverhalten entschuldigen, zumindest die Gesprächsbasis erhalten.
  10. Bei unüberwindbaren Konflikten Hilfe suchen.