Ab dem zweiten Jahr Trotzphasen und Setzen von Grenzen

„Wenn ein Kind selbständig wird, werden die Erwachsenen trotzig“.

Schon im ersten, vor allem aber im zweiten und dritten Lebensjahr, wenn die Kinder entdecken, dass sie über das, was sie wollen bzw. nicht wollen, (mit)bestimmen können, beginnen häusliche Machtkämpfe. Diese Trotzphasen sind für die Entwicklung eines Kindes ganz besonders wichtig, weil sie helfen, die Persönlichkeit zu festigen, zu lernen, sozial zu handeln und Grenzen zu akzeptieren und zu respektieren. Dass dabei Reaktionen auftreten, die bis zu „auf den Bodenwerfen und die Luft anhalten“ reichen können (Zornanfälle, englisch tantrums), gehört dazu.

Wie soll man damit umgehen?

Wichtig sind

  • Ruhe und Souveränität bewahren. Das hilft Ihrem Kind, Ihre Autorität anzuerkennen. Zu viel „Freiheit“, Verantwortung, Macht und das Fehlen klarer Grenzen schaden Ihrem Kind und erzeugen Angst.
  • Nein und Verbote nur aussprechen, wenn etwas gefährlich bzw. nicht verhandelbar ist, d.h., wenn Sie auch voll dahinter stehen, dass Sie Ihren Willen durchsetzen werden. Das wird nur wenige Verbote betreffen, denn auch Verbotsinflation ist gefährlich, weil man nur eine bestimmte Menge an Verboten ernst nehmen kann, und zudem die Gefahr besteht, das kindliche „Forscherverhalten“ zu beeinträchtigen.
  • Nein und Verbote ernst nehmen und auch diesen Ernst mit Mimik und Gestik ausdrücken! Es empfiehlt sich ein dreistufiges Nein: Nein! Neieinn!!! Sapperlott, NEIN!!!!!!! und klare Konsequenzen einleiten, das Verbotene keinesfalls zuzulassen (zB. den gefährlichen Gegenstand entfernen, kurze Auszeit, den Spielplatz verlassen usw.) Wenn Sie das nicht wollen oder können, sollten Sie das Problem eher als „verhandelbar“ kommunizieren, z.B. „das ist gefährlich, aber ich helfe Dir dabei, es zu bewältigen…“. So lernt Ihr Kind am besten, klare Grenzen zu akzeptieren und über Verhandelbares zu verhandeln.

Nicht empfehlenswert sind

  • Doppelbotschaften (z.B. „Nein“ mit einem gleichzeitigen Lächeln, da weiß das Kind nicht, welcher Botschaft, der verbalen („nein“) oder der körpersprachlichen (Ermunterung), es vertrauen soll und wird sich für die ihm angenehmere entscheiden.
  • Inkonsequenz: wenn Sie heute erlauben, dass Ihr Kind mit der Steckdose spielen darf (weil Sie zB. die Sicherung ausgeschaltet haben) und morgen nicht (weil die Sicherungen eingeschaltet sind), dann muss es am dritten Tag „fragen“, ob es heute erlaubt ist oder nicht, mit der Steckdose zu spielen.