Die ersten Minuten Bonding

Unter Bonding (engl. Bindung) versteht man die erste Kontaktaufnahme zwischen Mutter und Kind nach der Geburt. Dieser Kontakt ist für beide Teile aus Sicht der Verhaltensforschung und der Bindungstheorie wichtig, weil er die lebenslange besondere Beziehung zwischen einem Kind und seiner primären Bezugsperson begründet und das Bedürfnis nach Ruhe, Sicherheit, Wohlbefinden und emotionalem Kontakt befriedigt. Nach der für Mutter und Kind aufregenden Geburt ist das erste Kennen lernen, das auf möglichst vielen Sinneskanälen (Sehen, Spüren, Hören, Schmecken, Riechen) und möglichst ohne Zeitdruck erfahren werden soll, unglaublich wichtig. Die unangenehmen Erlebnisse der Geburt sind wie „weggeblasen“, und die aufregend beruhigende Wirkung der wechselseitigen „sinnlichen“ Erfahrung ist ein wichtiger Meilenstein einer einzigartigen Beziehung. Nach der anfänglichen Beruhigung und dem ersten Kennen lernen beginnt das Baby meist mit Suchbewegungen, die bei Kindern, die gestillt werden, praktisch von selbst in ein erstes Trinken an der Brust münden. Danach folgt meist eine Ruhepause von mehreren Stunden, die Mutter und Kind die verdiente Erholung bringt.

Die Wichtigkeit des Bondings für das spätere Bindungsverhalten und die Affektkontrolle ist durch die Ergebnisse der Verhaltens- und Bindungsforschung belegt. Daher soll von Seiten der Geburtshilfe und der Kinderheilkunde auch alles getan werden, um Bonding auch unter „erschwerten Bedingungen“ (z.B. operative Geburt, kleines Frühgeborenes) zu ermöglichen. Natürlich nicht „um jeden Preis“, das heißt nicht um den Preis einer Gefährdung des Kindes oder der Mutter. In diesem Fall kann Bonding auch „nachgeholt“ werden. Oft sind es aber Gedankenlosigkeit, unnötiger Zeitdruck durch organisatorische oder administrative „Erfordernisse“, die die für das Bonding notwendige Zeit überflüssigerweise beschneiden. Hier gilt es, Prioritäten richtig zu setzen.