Die ersten Tage Braucht mein Baby einen Schnuller¹?

Nuckeln und Saugen sind für das Wohlbefinden des Babys unerlässlich. Babies nuckeln schon im Mutterleib am Daumen, das vermittelt angenehme Gefühle und beruhigt.

Schon im alten Ägypten wurden Holzschnuller verwendet, um Babies zu beruhigen. In der Volksmedizin wurden Honig und Mohn gefüllte Leinensäckchen zur Beruhigung empfohlen, mit katastrophalen Auswirkungen auf die Zähne und Opioidvergiftungen. Heute gibt es hygienisch und mundgerecht und je nach Altersstufe geformte high-tech Silikon- und Bionaturlatexschnuller, die keinen Wunsch offen lassen.

Wenn ein Baby unglücklich ist und schreit, hat das praktisch immer einen Grund: mir geht’s nicht gut, ich habe Hunger / Durst, mir ist langweilig, ich kann nicht mehr so liegen, es zwickt, ich habe ein komisches Gefühl im Bauch, ich kann nicht einschlafen, ich weiß nicht, was es ist, aber es ist unangenehm… Je schlimmer das Problem, desto mehr wird die primäre Bezugsperson gebraucht. Sie vermittelt Ruhe, Gelassen- und Geborgenheit, „so schlimm kann‘s nicht sein“… Den Schnuller „anstatt“, reflexartig zur Ruhigstellung zu verwenden, „Du hast ein Problem? Hier ist ein Mittel dagegen!“ verhindert Lernprozesse und ist einfach nicht in Ordnung. Kindern, die viel schreien, z.B. weil sie die Umweltreize schlecht verarbeiten können, kann ein Schnuller aber durchaus beim Selbstberuhigen helfen.

Was spricht für, was gegen den Schnuller?

Für den Schnuller spricht, dass er Babies beruhigen, ihre Fähigkeit zur Selbstberuhigung verbessern und vielleicht auch gegen übermäßiges Luftschlucken beim Schreien wirken kann. Weiters kann er möglicherweise helfen, ein erhöhtes SIDS – Risiko zu vermindern.

Gegen den Schnuller spricht, dass er nach der Geburt die natürliche Regulation von Hunger und Nahrungsaufnahme und das Trinkverhalten an der Brust ungünstig beeinflussen kann (Saugverwirrung – an Schnuller und Flaschensauger saugt man anders als an der Brust). Ein zweites wichtiges Argument gegen den Schnuller ist, dass die scheinbare Ersparnis im Beruhigungsaufwand dadurch gefährdet wird, dass der Schnuller immer wieder aus dem Mund fliegt und dann wieder hineingesteckt werden muss, und dass er, wenn man sich an ihn gewöhnt hat, einem auf Schritt und Tritt fehlt bzw. nur mühevoll wieder abgewöhnt werden kann, was jenseits des 3.-6. Lebensjahres auch bei „anatomisch geformten“ Schnullern zu Kieferverformungen, Zahnfehlstellungen und dann notwendigen kieferorthopädischen Behandlungen führen kann.

Fazit: ein Schnuller ist super für Babies, die viel schreien und sich schlecht selbst beruhigen bzw. beruhigen lassen. Er sollte möglichst nicht in den ersten Lebenstagen/ -wochen verwendet werden, weil er die Interaktion zwischen Mutter und Kind beeinflussen und das Stillen erschweren kann. Gegen den Schnuller spricht die „Abhängigkeit“, die auch zu erschwertem Entwöhnen und kieferorthopädischen Konsequenzen führen kann.

¹Schnuller (österr.) für Beruhigungssauger. Siehe auch: http://www.docs4you.at/Content.Node/ratgeber/Broschuere--Braucht-mein-Baby-einen-Schnuller.php

Univ. Prof. Dr. Christian Popow ist Facharzt für Kinder- u. Jugendheilkunde und für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie, Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision (kognitive Verhaltenstherapie) derzeit tätig an der Univ. Klinik für Psychiatrie des Kindes- u. Jugendalters und an der Interdisziplinären Tagesklinik der Univ. Klinik f. Kinder- u. Jugendheilkunde Wien

Spezialgebiete: Sozialpädiatrie, Kinder- u. Jugendpsychiatrie, Entwicklungspsychologie, Neonatologie, angewandte Computerwissenschaften
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