Geburt Symphysensprengung

Was ist eine Symphysensprengung?

Das menschliche Becken hat drei de facto steife Gelenke, die aber unter der Geburt oder extrem selten schon vorher so locker werden können, dass man von einer Sprengung spricht. Der Schmerzort ist dann oberhalb der Schamregion zu finden. Die Sprengung der hinteren beiden Beckengelenke (iliosakrale Gelenke) einseitig oder beidseitig stellt eine echte Rarität daher.

Wie kommt es dazu?

Grundsätzlich werden die Bänder im Rahmen der Schwangerschaft weicher und lockerer. Dies ist insofern sinnvoll als es den Geburtsvorgang erleichtern soll und im Bereich des Becken den Durchtritt des Kindes erleichtern soll.
Kinder mit großen Köpfen bzw. Mütter mit engen Becken bergen ein erhöhtes Risiko. Falls schon im Rahmen der Schwangerschaft eine Symphysensprengung diagnostiziert oder vermutet wurde sollten Sie sich hinsichtlich einer Geburt mittels Kaiserschnitt beraten lassen. Hintergrund ist, dass mit einer Zunahme des Problems durch eine Geburt auf natürlichem Weg zu rechnen ist.

Kann ich danach wieder schwanger werden?

Grundsätzlich steht eine abgelaufene Symphysensprengung einer erneuten Schwangerschaft nicht im Wege.
Hatten Sie schon einmal so ein Ereignis so ist mit einem deutlichen erhöhten Risiko eines Wiederauftretens zu rechnen. Dies kann bei der Geburt auftreten oder auch schon im Rahmen der Schwangerschaft. Sprechen Sie so bald Sie wieder Schmerzen wie zuvor bekommen mit Ihrem Facharzt wie man Ihnen helfen kann. Lassen Sie sich auch hinsichtlich eines Kaiserschnitts beraten.

Bei mir ist das Problem in der Schwangerschaft aufgetreten

Dies ist eher selten und kann nach vorausgegangener Beckenverletzung oder geburtsbedingter Beckensprengung auftreten. Andere Faktoren wie angeborene Schwäche, Hochdosis Cortison Behandlungen etc. können begünstigend wirken.
Auch Mehrlingsschwangerschaften oder extreme große Ungeborene können hier bereits vor der Geburt Schmerzen im Bereich der Symphyse verursachen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Meist reicht die Untersuchung durch den erfahrenen Gynäkologen oder Orthopäden. Weiterführend kann mit Ultraschall oder auch mit Röntgen gearbeitet werden. CT oder MR sind nur sehr selten nötig.

Welche Therapien erfolgen dann?

In den meisten Fällen kann mit speziellen Beckenkompressionsbandagen das Auslangen gefunden werden. Zusätzlich sind Schonung, physikalische Therapie sowie Physiotherapie Eckpfeiler der Therapie. Operation ist nur in seltensten Fällen nötig.
Die Dauer der Heilung und ein Nachlassen der Schmerzen ist so etwa nach 3 Monaten zu erwarten. Ist Beschwerdefreiheit oder Beschwerdearmut eingetreten soll trotzdem mit der Aufnahme von Sportbelastung v.a. Laufen und ähnliche Sportarten zu gewartet werden.

Jedenfalls soll die Behandlung durch einen Gynäkologen oder Orthopäden geführt werden.

Dr. Michael Matzner
Oberarzt der Orthopädie auf der Universitätsklinik in Wien.