Schwangerschaft Drogen und Schwangerschaft

Alle der am häufigsten verwendeten illegalen Drogen, Cannabis, Kokain, Opioide (Heroin), Halluzinogene, verursachen bei chronischem Gebrauch intrauterine Wachstumsverzögerung, erhöhte Todes- und Frühgeburtenraten sowie Entzugsprobleme, insbesondere auch ein Entzugssyndrom beim Neugeborenen, das Neonatale Abstinenzsyndrom (NAS). Dieses verläuft bei Cannabis am leichtesten, bei Heroin am stärksten und am längsten. Symptome wie Zittern, Unruhe, Trinkschwäche, Bauchkrämpfe, vermehrtes Schreien sind dabei häufig. Als Spätfolgen werden Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsprobleme sowie sensorische Integrations- und dysexekutive Probleme häufiger beobachtet, also Probleme bei der Informationsverarbeitung und beim Analysieren und Planen mit Auswirkungen auf das Sozialverhalten. Dazu kommen noch die sekundären Gefahren der Drogenabhängigkeit wie psychiatrische, soziale und finanzielle Probleme sowie ein erhöhtes Infektionsrisiko für Hepatitis C, sexuell übertragbare Erkrankungen (STDs) und HIV. Diese gesundheitlichen Probleme sind insbesondere bei der Geburt relevant. Unüberschaubar wird die Situation für Mutter und Kind vor allem bei Mehrfachkonsum verschiedener Substanzen.

Auch „legal“ erhältliche Medikamente wie Schmerz- und Schlafmittel können das heranwachsende Baby schädigen. Die Fehlbildungsrate kann erhöht sein, Benzodiazepine, also Valium ähnliche Substanzen, können ein Entzugssyndrom beim Neugeborenen verursachen, Schmerzmittel können zu einem vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus und damit zu lebensbedrohlichen Kreislaufproblemen beim Baby im Mutterleib führen.

Die Konsequenz – am besten vor der Schwangerschaft mit dem Konsum aufhören. Leider ist das nicht so einfach, da ja auch viele persönliche, familiäre, existenzielle und soziale Probleme eine Rolle spielen. Daher unbedingt Unterstützung suchen, insbesondere bei den entsprechenden öffentlichen und privaten Drogenberatungseinrichtungen (Übersicht für Wien). Insbesondere die Drogenambulanz an der Univ. Klinik für Psychiatrie (Tel. +431 40400 3543, 3547) arbeitet eng mit der Geburtshilflichen und Neonatologischen Abteilung im AKH zusammen und bietet intensive Beratung, Betreuung und Unterstützung inklusive Substitutionsbehandlung an. Professionalität, interdisziplinäre Kooperation und Erfahrung sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Betreuung von Mutter und Kind.

Opioidentzug in der Schwangerschaft ist vor der 14. und nach der 32. Schwangerschaftswoche wegen der Entzugsfolgen für das Baby nicht empfehlenswert! Schrittweiser Entzug zwischen der 14. und 32. Schwangerschaftswoche sollte nur dann unter strenger ärztlicher Kontrolle versucht werden, wenn stabile finanzielle, soziale und emotionale Verhältnisse gewährleistet und ein fester Abstinenzwille vorhanden sind, da „Rückfälle“ unbedingt vermieden werden müssen. Die Alternative ist die kontrollierte Substitutionstherapie, die eine „berechenbare“ Situation schafft und die Sekundärprobleme der Drogenbeschaffung vermeidet. Als Substanzen kommen Methadon, Buprenorphin und retardiertes Morphin in Frage.

Auch nach der Geburt ist medizinische und soziale Unterstützung unbedingt notwendig, um die vielfältigen elterlichen und kindlichen Probleme möglichst optimal zu lösen.

Univ. Prof. Dr. Christian Popow ist Facharzt für Kinder- u. Jugendheilkunde und für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie, Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision (kognitive Verhaltenstherapie) derzeit tätig an der Univ. Klinik für Psychiatrie des Kindes- u. Jugendalters und an der Interdisziplinären Tagesklinik der Univ. Klinik f. Kinder- u. Jugendheilkunde Wien

Spezialgebiete: Sozialpädiatrie, Kinder- u. Jugendpsychiatrie, Entwicklungspsychologie, Neonatologie, angewandte Computerwissenschaften
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