Schwangerschaft Schwangerschaft und Epilepsie?

Da Anfallserkrankungen auch im Erwachsenenalter relativ häufig vorkommen (ca. 0,4-1%) und Medikamente gegen Krampfanfälle bzw. Stimmungsschwankungen notwendig sind, aber in der Schwangerschaft nicht ohne einige Vorsichtsmaßnahmen verwendet werden sollen, finden Sie hier einige Hinweise, die Ihnen im Gespräch mit Ihrer FachärztIn helfen sollen.

Medikamente gegen Krampfanfälle erhöhen das Risiko von Fehlbildungen beim Baby in Abhängigkeit vom Medikament und von der eingenommenen Dosis. Kein Medikament bei Anfallsneigung zu nehmen ist aber wegen der Gefahr eines Sauerstoffmangels für das Baby während eines Anfalls auch keine Lösung. Daher sind einige Grundregeln wichtig:

  1. Von den häufigsten verwendeten Medikamenten haben Lamotrigin (z.B. Lamictal®) und Levetiracetam® das geringste, Carbamazepin (z.B. Neurotop®, Tegretol®) und Oxcarbamazepin (z.B. Trileptal®) ein mittleres und Valproat (z.B. Convulex®, Depakine®) und Phenobarbital (z.B. Luminal®) das höchste Risiko (organspezifische Fehlbildungsraten von 0,1-2,8%).
  2. Der Medikamentenstoffwechsel beschleunigt sich in der Schwangerschaft, in Abhängigkeit vom Medikament und vom Schwangerschaftsdrittel (Levetiracetam im 1. Drittel, Lamotrigin im 2. Drittel, Valproat im 3. Drittel und Carbamazepin bzw. Oxcarbamazepin während der ganzen Schwangerschaft).
Daher sollte
  1. die Medikation vor einer geplanten Schwangerschaft in Absprache mit Ihrer NeurologIn optimiert und während der Schwangerschaft ev. abhängig vom Blutspiegel angepasst werden,
  2. vor und während des ersten Schwangerschaftsdrittels unbedingt Folsäure (1-5 mg tgl., vorbeugend gegen LexikonSpina bifida) eingenommen werden,
  3. die Geburt möglichst in einem perinatalen Zentrum und ev. unter einer vorbeugenden antikonvulsiven Therapie erfolgen,
  4. bedacht werden, dass nach der Geburt bedingt durch Schlafmangel Anfälle gehäuft auftreten können.
  5. Stillen ist mit antikonvulsiver Medikation im Prinzip unbedenklich, sollte aber ev. mit Ihrer Neurologin besprochen werden.