Schwangerschaft Medikamente in der Schwangerschaft

Alkohol ist das häufigste gefährliche (Lexikon teratogene) „Medikament“. Etwa 5 von 10 000 Kindern werden mit Lexikon fetalem Alkoholsyndrom geboren, etwa 10x so viel mit leichteren Alkohol bedingten Schädigungen (FAE (fetal alcohol effects): Intelligenzminderung, soziale, Entwicklungs- und Bewegungsstörungen).

Der praktisch universelle Hinweis auf jedem Beipackzettel, dass dieses oder jene Medikament nicht in der Schwangerschaft und Stillperiode, vor allem nicht in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten verwendet werden soll, ist nicht sehr hilfreich, da er hauptsächlich die Medikamentenfirmen vor Regressforderungen schützen und die Verantwortung auf den verschreibenden Arzt oder den Patienten abwälzen soll.

Natürlich gilt das Prinzip: Medikamente, so wenig wie möglich, so viel wie notwendig und natürlich nur nach Rücksprache mit dem Arzt zu verwenden.

Medikamente aus folgenden Medikamentengruppen sind während der Schwangerschaft gefährlich für das Kind:

  • Nikotin
    Rauchen in der Schwangerschaft erhöht die Frühgeborenenrate und das Risiko zu kleiner Babies. Es gibt Hinweise, dass Rauchen in der Schwangerschaft mit kindlichen Lern- und Verhaltensproblemen zusammen hängen kann. Kinder stark rauchender Mütter machen nach der Geburt ein Entzugssyndrom (vermehrte Unruhe, Schreien usw.) durch.
  • Medikamente gegen hohen Blutdruck,
    insbesondere Lexikon ACE Hemmer und ATII Rezeptorenblocker, weil sie die Placentadurchblutung und die kindliche Nierendurchblutung beeinträchtigen können.
  • Medikamente gegen Krampfanfälle (Antiepileptika),
    insbesondere die „klassischen“ (Valproinsäure, Carbamazepin, Barbiturate, Primidon und Phenytoin) sind teratogen, sie können vor allem Gesichts- und Fehlbildungen des Nervensystems hervorrufen. Die „moderneren“ Antiepileptika (z.B Lamotrigin (Lamictal®)) sind nach bisheriger Erfahrung nicht teratogen.
  • Antidepressiva (Lexikon SSRIs)
    können beim Neugeborenen eine Art Entzugssyndrom verursachen
  • Blutgerinnungshemmer (Kumarine) und bestimmte Aknemittel (Retinoide)
    wirken teratogen
  • Zytostatika, insbesondere Antimetabolite
    können vor allem im ersten Trimenon teratogen wirken. Hier gilt es, Nutzen und Risiko abzuwägen.
  • Schmerzmittel
    können vor allem ab der 30. Schwangerschaftswoche für das Baby schädlich sein, weil sie bewirken können, dass sich der Ductus arteriosus, eine während der Fetalzeit lebenswichtige Verbindung zwischen den großen Arterien, verschließt.

„Erlaubt“ sind im Allgemeinen (nach Rücksprache mit der ÄrztIn) Antibiotika, ev. Paracetamol (z.B. Mexalen®) als Schmerzmittel bzw. lebenswichtige Medikamente wie Insulin, Asthmamittel (ß-2 Mimetika (z.B. Salbutamol (Sultanol®), Glukokortikoide), aber auch Antazida (z.B. Ranitidin (Ulsal®)) bei Gastritis und Sumatriptan (Imigran®) bei therapieresistenter Migraine.

Bei versehentlich weiter geführter Einnahme von Kontrazeptiva (Pille) besteht kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des Genitales.