Schwangerschaft TCM (Traditionell Chinesische Medizin) in Gynäkologie und Geburtshilfe

Akupunktur

Akupunktur ist in Österreich vom Obersten Sanitätsrat als Schmerztherapie anerkannt. Somit wird sie auch in der Gynäkologie vor allem bei Schmerzen vor oder während des Menstrutationszyklus (Dysmenorrhoe) eingesetzt. Einige Akupunktur Punkte haben auch hormonregulierende Wirkung und helfen daher mit, unregelmäßige Zyklen wieder zu normalisieren. Dies ist besonders bei Patientinnen mit Kinderwunsch von Bedeutung. Andere Probleme im Zusammenhang mit hormonellen Schwankungen, wie PMS (prämenstruelles Syndrom), heftige Blutungen (Hypermenorrhoe) oder das Gegenteil, sehr wenig Blut (Hypomenorrhoe), lassen sich mit Akupunktur gut beeinflussen. In der Schwangerschaft wird sie vor allem bei Übelkeit im 1. Trimenon, Kopfschmerzen, Wirbelsäulenbeschwerden von vielen Frauen bevorzugt, da schmerzstillende Medikamente oftmals wegen befürchteter Nebenwirkungen gemieden werden. Bekannt ist Akupunktur auch in der Geburtsvorbereitung. Dabei wird von der 36.- 40.SSW jeweils 1 Mal/Woche therapiert. Ziel ist das weich machen des Muttermundes, sowie eine raschere zielgerichtete Wehentätigkeit bei Weheneintritt. Dieser Effekt führt zu einer Verkürzung der Eröffnungsphase des Muttermundes und spart besonders bei Erstgebärenden einige Stunden Zeit bis zur Geburt. Diese Wirkung , wie auch die oben erwähnten, wurden durch zahlreiche Studien belegt. Gleichzeitig konnte auch gezeigt werden, dass ein nicht Wehen bereiter Uterus durch Akupunktur nicht zu Wehen angeregt werden kann. Aktuelle Studien haben sich auch dem Thema künstliche Befruchtung gewidmet. Dabei konnte gezeigt werden, dass einen Tag vor bzw nach dem Follikeltransfer, Akupunktur die Einnistungsrate erhöhen kann.

Chinesische Kräutertherapie

Viele Frauen leiden an Problemen vor oder während ihres Zyklus, sowie beim Eisprung (Ovulation), obwohl sie aus Sicht der Gynäkologie völlig gesund sind. Diese Probleme werden nach den Kriterien der TCM analysiert und können mittels Gabe von Chinesischen Kräutern reguliert werden. Ziel dabei ist die Ursache der Befindensstörungen wie Schmerzen, Gereiztheit, depressive Verstimmungen, das Gefühl eines aufgeblähten Unterbauchs, Ödeme (Wasseransammlungen), dunkel und klumpiges Regelblut, etc. in Kategorien der TCM zu erfassen und dem entsprechend zu behandeln. Auch unerfüllter Kinderwunsch kann, bei gynäkologisch gesunden Patientinnen, aus Sicht der TCM unterschiedliche Ursachen haben, die als Kälte, Feuchtigkeit, Qi und Blutstagnation, etc. diagnostiziert werden und demnach mit Kräutermischungen behandelt werden können. Chinesische Kräuter sind wirksam und als Medikamente zu betrachten, sie haben daher neben ihrer Wirkung auch bei unsachgemäßer Anwendung Nebenwirkungen. Daher ist besonders bei bereits eingetretener Schwangerschaft und den damit möglichen Problemen wie Übelkeit, Erbrechen, Schlaflosigkeit, etc. wichtig, dass die Kräuter ausschließlich in speziellen Apotheken abgegeben werden, da diese eine Garantie für die Qualität der Kräuter übernehmen. Vor Selbstmedikation durch Internetbestellungen oder Ankauf von „Tees“ aus dem Lebensmittelhandel ist dringend abzuraten!

Dr. Evemarie Wolkenstein
Ärztin für Allgemeinmedizin, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur, Lehrtätigkeit in TCM seit mehr als 15 Jahren, Verfasserin zahlreicher Studien auf dem Sektor der Komplementärmedizin